Interview mit „Falz und Vorsatz“: Fragmentbilder, Illustrationen und Skizzenhefte frisch vom Wiener Feschmarkt

Maria Hack ist eine Grafikerin, die im Juni 2015 auf dem Wiener Feschmarkt ihr Debut mit ihrem Label „Falz und Vorsatz“ gegeben hat.

Sie gestaltet handgebundenen Skizzenheften in A5 und A4, verschiedene Kalender, Illustrationen im Postkartenformat und Fragmentbilder aus Holz und Papier, die sie »woodshape« nennt.

Ich hatte nun das Glück, Maria ein paar Fragen zu ihrer Arbeit stellen zu dürfen.

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Liebe Maria, Du kommst ja aus Süddeutschland und hast in Augsburg Kommunikationsdesign studiert – was hat Dich dazu gebracht nach Wien zu ziehen?

Das stimmt, ich komme eigentlich aus dem Münchner Umland. Die Liebe hat mich nach Wien verschlagen. Klingt schön, ist es auch.

Was begeistert Dich daran, als Grafikerin zu arbeiten?

Einer meiner Professoren hat einmal sinngemäß gesagt, als Automechaniker schraubt man sein ganzes Berufsleben lang an Autos herum.

Als Grafiker machst Du einmal das Branding für ein Architekturbüro und am nächsten Tag die Verpackung für eine Tafel Schokolade und danach ein Buch über Farne oder irgendetwas anderes.

Du tauchst mit jedem neuen Projekt in eine neue und spannende Umwelt ein, das mag ich an meinem Beruf. Und dass man als Gestalter die Welt ein bisserl mit anderen Augen betrachtet.

Wie bist Du zu dem Namen „Falz und Vorsatz“ für Dein Label gekommen?

Der Klang der beiden Begriffe passt finde ich gut zueinander, außerdem fertige ich alle meine Produkte von Hand und aus Leidenschaft zu Papier.

Die Begriffe »Falz« sowie »Vorsatz« kommen aus dem Buchbindehandwerk. Ein Falz ist die Stelle, an der ein Papier gefaltet wird und mit dem Vorsatzpapier wird der Buchblock in den -deckel eingeklebt.

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Welche Produkte gibt es?

Es gibt neben handgebundenen Skizzenheften in A5 und A4 verschiedene Kalender, Illustrationen im Postkartenformat und meine »woodshape« Fragmentbilder aus Holz und Papier.

Noch ist »Falz & Vorsatz« ein ganz junges, frisches Projekt von mir und es werden sicherlich noch weitere schöne Dinge dazu kommen.

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Den Tischkalender gibt es von Juni 2015 bis Dezember 2016 – somit kann man auch jetzt mit einem neuen Kalender starten. Du musst also nicht bis zum Neujahrstag warten.

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Wie entstehen Deine Bilder aus Holzfragmente?

Inspiriert sind die Formen der »woodshape« Bilder von Fieberträumen, die ich als Kind hatte. Ich arbeite gerne mit natürlichen Materialien, so kam es im Experiment schließlich zu diesen fragmentalen Bildern.

Sie lassen sich zwar im Vorfeld nicht planen und die endgültige Form ist auch für mich jedes Mal eine Überraschung – doch ich wähle jedes einzelne Holzelement mit Bedacht aus und schneide es genau zu.

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Da die Maserung der Holzteile in unterschiedlichen Richtungen zueinander verläuft, entstehen zarte Lichtreflexe. Auf diese Weise wächst jede »woodshape« nach und nach fast schon zu einer Skulptur. Nur eben flach.

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Woher nimmst Du Deine Inspiration für Deine Arbeiten?

Das ist ganz unterschiedlich. Es kann wie gesagt ein Traum sein, der mich inspiriert, oder die Natur oder ganz einfach eine Begegnung. Vieles passiert auch im Experiment, da kann ich gar nichts dafür.

Nachhaltig geprägt hat mich ein Auslandsaufenthalt in Kopenhagen und das studieren dort an der Akademie.

Wie wichtig sind die Materialien mit denen Du arbeitest für Dich?

Sehr. Denn jede Materialität erzählt von sich aus schon eine Geschichte und vieles knüpft daran an.

Du sagst Du nimmst auch Auftragsarbeiten an. Gibt es da vorher eine Begehung? Wie läuft das ab?

Ja schon. Gerade die Holzarbeiten sollte man einmal in wirklich sehen, denn oft lassen sich Reflexe oder auch eine scheinbare Plastizität gar nicht auf dem Foto darstellen.

Für Formatwünsche und Lieblingsfarbkombinationen bin ich offen, das lässt sich am besten direkt besprechen, bevor ich mich an’s Werk mache.

Du wirst im Herbst eine Kollaboration mit einer Wiener Bar machen, wie kam es dazu und was für Entwürfe hast Du geplant, kannst Du schon ein kleines Sneak-Preview geben?

Es ist fast noch zu früh, darüber zu sprechen. Was ich trotzdem schon einmal verraten kann – es handelt sich um eine reizende Restauration im 5. Bezirk mit sehr sinnigen Menschen dahinter.

Zu sehen gibt es dann hauptsächlich Fragmentbilder, die ich passend zur dort vorherrschenden Farbstimmung anfertige.

Du hast auf dem letzten Wochenende auf dem Fesch Designmarkt in Wien Dein Debut gegeben. Was war die konkrete Rückmeldung von Käufern an Deinem Stand zu Deinen Produkten?

Oh ja, das war super! Es hat einen riesen Spaß gemacht und ich durfte viele nette und interessante Leute kennenlernen.

Zum Beispiel hat sich ein Kontakt zu »Supersense«, einem Café / Letterpress-Werkstatt hier in Wien aufgetan, die gerne meine Postkarten anbieten möchten.

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Generell waren die Reaktionen auf meine Arbeiten sehr positiv, was mich natürlich unheimlich freut. Der Bestseller war eine Karte auf der stand »I´m so angry I made a cake«.

Auf dem Feschmarkt im November bin ich bestimmt wieder mit dabei und eventuell auch auf anderen Märkten, wenn es sich zeitlich ausgeht.

Wie wird es für Dein Label weitergehen? Was wünschst Du Dir für die Zukunft von „Falz und Vorsatz“?

Zunächst einmal wird »Falz & Vorsatz« nur in ausgewählten Wiener Geschäften zu finden sein. Ein nächster Schritt wäre dann ein Onlineshop.

Ich könnte mir auch gut vorstellen, einmal meine eigene Chefin zu werden und den Schritt in die Selbständigkeit zu wagen.

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Workshops wären auch so eine Sache. Und ein eigenes Atelier. Oder noch besser ein eigener Laden mit Atelier und Grafikbüro. Aber das ist noch Zukunftsmusik.

Für jetzt wünsche ich mir, dass die Menschen mehr aufschreiben – und zwar mit Stift auf Papier – und mehr Postkarten verschicken, das wird viel zu wenig gemacht.

Was ist Dein Lieblingsmöbel bei Dir Zuhause?

Das ist jetzt die schwierigste Frage von allen. Wenn ich aber tatsächlich eines auswählen muss, dann wohl … hm nein, ich kann mich nicht entscheiden. Ich liebe alle meine Möbel.

Welche Interior Geschäfte in Wien kannst Du uns empfehlen?

Ganz wunderbar ist das »Feine Dinge«, vor dessen Schaufenster ich jedes Mal kleben bleibe. >> www.feinedinge.at

Schöne Papeterie und vielleicht bald auch meine Sachen bekommt man beim »Sous Bois«. >> sous-bois.at

Vielen Dank, Maria für das fleißige Beantworten aller Fragen! Ich wünsch Dir viel Erfolg!

Hier geht es zur Facebookseite von „Falz und Vorsatz“ – bis es einen Onlineshop gibt, schreibt Maria doch eine Mail und bestellt bei ihr persönlich: Maria Hack im web. Du liebst Papier so wie ich und bist auf der Suche nach einem tollen Papierlampenschirm – dann hab ich was für Dich: Klick.

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