Reisebericht über 6 Wochen in Europa mit Hund – Teil 1

Oh mein Gott, wo soll ich nur anfangen? Die letzten Wochen habe ich meine Fotosammlung immer nur kurz aufgemacht und wieder geschlossen. Zu viele Eindrücke, zu viele Erlebnisse mit tollen Menschen in wunderschöber Natur sorgen für einen innerlichen Overkill, den ich sehr schwer in Worte fassen kann.

Packwahn vor der Abreise

Also meist ist es ja am besten wenn man dort beginnt, wo die ganze Geschichte anfängt Fahrt aufzunehmen. Bei mir war der Startpunkt der Tag vor der Abreise. An diesem Tag bekomme ich meist schlechte Laune gemischt mit innerer Panik. Von außen bekommt man das meist nicht mit. Aber ich denke die ganze Zeit, dass ich etwas Wichtiges vergessen werde, laufe durch die Gegend und versuche das Chaos zu beherrschen.

Eigentlich ist es ja immer ganz einfach, denn nur wenige Dinge sind wirklich unersetzlich. Schließlich kann fast alles unterwegs nachgekauft werden. Ja, genau FAST alles. Und schon geht das schöne Gedankenkarussel los, was ist wenn ich dies oder jenes vergesse, es kaputt geht, verloren geht – und so weiter. Diese Gedanken zu stoppen ist nicht so einfach wie man denkt.

Also kann ich jedem, dem es so ähnlich geht wie mir nur empfehlen, Packlisten anzulegen. Alles aufzuschreiben was einem wichtig ist hilft ungemein zu innerer Ruhe und Gelassenheit. Ob man die Liste später überhaupt benutzt ist dann fast nicht mehr wichtig.

Manchmal muss ich sogar lachen, wenn ich alte Packlisten wiederfinde, die ich vor einigen Jahren verfasst habe. Schon komisch, wenn man sieht, was einem damals so wichtig war. Normalerweise hilft eigentlich die einfache Faustregel für eine 4-8wöchige Reise: Alles was ich täglich bis einmal die Woche benutze kommt mit.

So fahren wie also los und haben eigentlich auch alles dabei, was man für einen ein- bis zweimonatigen Aufenthalt im Süden so braucht. Meine wichtigsten Must-Haves sind natürlich neben Laptop & Handy, ein Paar Flip-Flops, Hoodie, Sonnenbrille und mein Skizzenbuch.

Tingeln durch Deutschland

Wir fahren ersteinmal ganz gemächlich durch Deutschland und besuchen auf diesem Weg alle 300 – 400 Kilometer Freunde, die wir zum Teil bereits seit einigen Jahren nicht mehr gesehen haben.

Da wir besonders frei in unserer Art des Reisens sein wollten haben wir unsere Freunde meist nur kurzfrisitig informiert, à la: Habt ihr Morgen schon was vor? Sorry, an dieser Stelle! 😉 Aber es hat wunderbar geklappt, alle haben sich gefreut und wir hatten wirklich nette Abende in Braunschweig, Kassel, Ulm und Stuttgart/Schorndorf.

Da wir ja im eigenen Mobil schlafen und auch wahlweise frühstücken oder kochen etc. kam auf unserer Seite auch kein schlechtes Gewissen auf, sich nur 24h vorher anzukündigen. Auf diesem Weg haben wir es dann innerhalb der ersten Woche bis nach Luzern geschafft, wo wir zwei Nächte blieben und von dort nach Frankreich weiterfuhren.

Das Tolle am langsamen Reisen

Was mir besonders gut an dem gemächlichem Reisen durch Deutschland gefallen hat? Insbesondere ganz unentdeckte Informationen über Städte wie Architektur und Bewohner zu bekommen. So wusste ich zum Beispiel nicht, dass der Bergpark Wilhelmshöhe bei Kassel der größte Bergpark Europas ist und einen unfassbar tollen Ausblick bietet.

Bad Wilhelmshöhe in Kassel

Danke an dieser Stelle an Gesa und Manu, die uns nicht nur bereitwillig bekocht haben sondern uns nach einem tollen Abend und einem leckren Kaffee am nächsten Morgen den Tipp gaben, uns hier einmal umzuschauen. Bis dahin kannte ich nur den Bahnhof Kassel-Wilhelmshöhe vom Umsteigen (innerliches Gähnen hier bitte einsetzen).

Aber der Herkules und insbesondere der Park ist etwas, was ich so noch nie gesehen habe und ich kann einen Besuch nur empfehlen!

In Ulm und um Ulm herum

In Ulm haben wir den höchsten Kirchturm der Welt gesehen: Das Ulmer Münster ist die größte evangelische Kirche Deutschlands.

Ulmer Stadtmauer
1482 gebaut – die Ulmer Stadtmauer lädt heute zum Spazieren und Ausspannen ein.

Wusstet ihr, dass Ulm und Neu-Ulm nur durch die Donau getrennt sind, beide in unterschiedlichen Bundesländern liegen (Badenwürttemberg und Bayern) und, dass es nur in Neu-Ulm erlaubt ist die Enten am Donau-Ufer zu füttern. In Ulm dagegen ist es streng verboten. Verrückt, oder?

Schwebender Balkon über dem Wasser
Die Blau im Ulmer Fischerviertel – hier ist übrigens auch das schiefste Hotel der Welt zu finden.

In Ulm haben wir es tatsächlich mal wieder geschafft auf eine Party zu gehen. Nach einem Essen bei unseren Freunden saßen wir erst noch zusammen uns kurz stand die Frage im Raum „ob man nochmal los geht“. Aber nachdem wir uns auf ein „kurz mal vorbeischauen“ geeinigt hatten wurde dies ja wie soll ich sagen – etwas ausschweifend.

Partyspaß in Ulm.

Hello Swiss – eine Nacht in Luzern

Bei unserem Zwischenstopp in Luzern war auch noch ein Ausflug nach Meggen drin, bei dem ich den Vierwaldstätter See zeichnete und später am Abend erfuhr, dass wir genau in dem Ort waren, in dem sich vor ein paar Jahren der größte Kunstfälscher Deutschlands niedergelassen hatte, der über viele Jahre die gesamte Kunstszene an der Nase herumgeführt hat.

Auf dem Jubiläumsweg lässt es sich ganz besonders schön wandern und ich finde das Licht sieht hier oftmals ganz besonders schön aus. Während wir also hier spazierten konnte ich mich gar nicht von dem Wolkenschauspiel wegreissen, sondern machte ein Bild nach dem anderen.

Unweit ist die größte Mall der Schweiz entstanden und nachdem wir nun schon länger nicht mehr in der Schweiz waren, war ich gespannt auf das fertige Ergebnis. Was soll ich sagen, es ist eine Mall wie man sie kennt, ich fand es erstaunlich leer. Aber das beste ist ganz sicher die „stehende Welle“ auf der man seine Surfkünste beweisen kann. Sofern man welche hat.

Der beste Platz ist im Café hinter der Glasfront, hier ist es nicht so laut wie direkt am Wasser, man wird nicht nass und der hausgemachte Eistee ist auch eine Empfehlung wert.

Warum wir im März unsere Koffer gepackt haben

Wir haben natürlich gar keine Koffer gepackt. Schon gar nicht mehrere! Denn in einem Camper machen Koffer wenig Sinn, sondern rauben nur kostenbaren Platz. (Gut: einen einzigen Koffer haben wir mitgenommen, für den Notfall, falls einer von uns beiden spontan nach Deutschland zurückfliegen muss. Der Fall ist nicht eingetreten, aber es ist schön, flexibel zu sein).

Vor zwei Jahren haben wir (gefühlt?) einen der längsten Winter Deutschlands erlebt. Und nachdem wir Anfang Mai dann auch noch mal Schnee hatten kam uns die Idee, den Winter eben nicht in Deutschland zu verbringen. Ein Überlegungen angestellt und vergangenen Herbst haben wir unseren Camper gekauft.

Eigentlich wollten wir schon kurz nach Weihnachten los, aber oftmals kommt es anders als man denkt und im März war es nun endlich so weit. Die Fahrt in wärmere Gefilde konnte starten.

Maggie – Reisen mit Hund

Wir haben ja nicht nur unsere Bedürfnisse berücksichtigt auf der Reise, sondern auch Maggies. Da man mit Hund anders unterwegs ist als nur auf zwei Beinen gab es im Vorfeld einige Dinge zu beachten. So haben wir für Maggie einen Europäischen Heimtierausweis beim Tierarzt geholt, in dem alle Impfungen verzeichnet sind und der im Gegensatz zum deutschen Impfausweis mehrsprachig ist.

Wir haben ihr ein neues Körbchen besorgt sowie eine Reisehundedecke, die im Körbchen liegt, zusammengerollt aber auch schnell mitgenommen werden kann. Dazu gibt es noch eine Decke, die ich zum Bezug genäht habe, damit diese auch schnell mal gewaschen werden kann.

Da Maggie noch nie Probleme mit Futterunverträglichkeiten hatte, haben wir uns darüber keine Sorgen gemacht. Eine Sache hat uns dann aber doch ziemlich überrascht. Was genau das war erfahrt ihr im nächsten Beitrag über unsere Europatour.

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