Wie ein Tourist im eigenen Ort

Das wird jetzt mal ein etwas anderer Reisebericht. Zum einen geht es nicht um einen speziellen Ort. Und zum anderen muss man sich dafür nur gerade mal so vor die Haustür begeben.

Es geht um die Orte, an denen einem das Herz aufgeht, die man jetzt aber vielleicht noch gar nicht kennt oder einfach unbeachtet gelassen hat. Einfach weil der nächste Städtetrip anstand oder man ins Kino ging oder auf ein Festival fuhr.

Orte, die wir jetzt besuchen können, ohne als völlige Ignoranten dazustehen oder an denen uns 100 Menschen mit der gleichen Idee begegnen. Ich muss sagen, dass es zum einen natürlich leicht gesagt ist, Tourist im eigenen Ort sein zu wollen, wenn man wie ich in einer Region wohnt, in der jedes Jahr mehrere Millionen Übernachtungen gebucht werden.

In einer tourismusstarken Gegend kann es aber auch eine Herausforderung sein, diese besonders schönen Orte zu finden. Natürlich hat jeder Ort seine Klassiker, die man als Tourist vielleicht auch anschauen würde. Aber daran erinnern wir uns meist gar nicht so – im Nachhinein.

Denn wirkliche schöne Momente oder skurille Erinnerungen sind wesentlich persönlicher als das Abklappern von Sehenswürdigkeiten. Und darum erinnern wir uns daran später dann auch.

Keiner da – schön!

Jetzt im Frühling macht es großen Sinn einmal durch seine Stadt oder Gemeinde zu spazieren und nach einem Ort ausschau zu halten, der uns wirklich Freude bereitet. Das kann ein ganz einfacher Ort in der Natur sein und ja, manchmal muss man eine kurze Anreise in Kauf nehmen. Oder man geht zu einer Uhrzeit dorthin, wenn dort sicher niemand anderes ist.

Ich kenne da zum Beispiel einen tollen Baum hinter dem Theater, der jedes Frühjahr so unglaubluch schön blüht. Dennoch bin ich jahrelang immer nur schwungvoll an ihm vorbeigeradelt. Dabei ist dieser Ort so inspirierend.

Oder es gibt einen See weit ab von den typischen Touristenorten, den ich zufällig entdeckte durch den Hinweis einer Freundin auf das Jagdschlösschen in der Nähe. Um diesen See bin ich dieses Frühjahr das erste Mal spaziert.

Der Moment zählt

Es geht dabei auch gar nicht so besonders um diesen einen Ort, sondern wie wir diesen wahrnehmen. Also geht es eigentlich um uns selbst. Denn auch wenn wir keine großen Reisen machen können – aus welchen Gründen auch immer. So kann man sich doch zumindest selbst ganz besonders fühlen.

Das geht eigentlich recht einfach, indem man sich zum Beispiel etwas vornimmt, was man vielleicht schon immer mal machen wollte oder was man sich eben einfach spontan überlegt hat. Dabei behandelt man sich selbst einfach so wie einen Besucher aus einer fremden Stadt, dem man nun etwas Ausgefallenes zeigen möchte.

Vor zwei Jahren bin ich um viertel nach fünf aufgestanden, um mir den Sonnenaufgang an der Ostsee anzuschauen. Okay, vielleicht muss man erst in ein gewisses Alter kommen, um diesen Moment schätzen zu können (oder zumindest bereit sein, seine müden Knochen hoch zu bemühen).

Aber was soll ich sagen, es hat sich gelohnt! Es war eine tolle Erinnerung, die ich sicher nicht vergessen werde. Aber zu so einer Erinnerung gehört nicht unbedingt das Meer. Es kann auch einfach ein schöner Weg sein, auf den das Schattenspiel der Bäume so ein tolles Muster wirft.

Dann lohnt es sich einfach mal vom Rad zu steigen (wie ich hier) und sich dessen bewusst zu werden, wie schön dieser Weg jetzt gerade mal aussieht. Ich meine: Hallo?

Mir geht es dabei gar nicht so sehr darum, welcher Moment oder nun schöner war. Sondern einfach ein Perspektivwechsel. Das gewohnte mit neuen Augen zu sehen. Das klingt zwar etwas banal, wenn man dabei die ganze Zeit von Bäumen und der Sonne spricht.

Aber wenn das bei diesen Alltäglichkeiten gelingt, dann kann das eine gute Übung sein für andere Momente oder Situationen, bei denen man einen Blick von außen vielleicht gut gebrauchen kann. Und dann gibt es diese schönen Momente, die wie aus der Konserve einfach immer gut funktionieren.

Bei mir ist das zum Beispiel das erste Eis des Jahres im Sonnenschein. Das ist dann auch immer wie ein kleiner Urlaub.

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